Schräg von der Seite

Egal ob „Wollen Sie das noch essen?“ oder „Verlassen Sie sofort mein Haus!“, von Fremden ungefragt angesprochen zu werden ist fast immer unangenehm und im höchsten Maße unerwünscht.

Mir fallen spontan zwei Situationen ein, in denen man diese zwischenmenschliche Grenzüberschreitung regelmäßig über sich ergehen lassen muss:
Man ist mit einem Kinderwagen oder einem Hund unterwegs.

„Ooooh, wie süß!“
„Ist das ein Junge oder ein Mädchen?“
„Ist der kastriert?“

Bei Hunden wird man Ähnliches gefragt.

Selbstverständlich gibt es noch weitaus mehr Situationen dieser Art und ich möchte kurz über zwei Voraussetzungen, welche einen größtenteils harmlosen Burschen wie mich offensichtlich zum hemmungslosen schräg von der Seite Anquatschen freigeben, berichten.

Ich bin starker Raucher und ziemlich übergewichtig.

Das scheint die Leute zu stören, da werden sie irgendwie wütend. In ihrer, von mir unterstellten, Wut vergessen sie ihre gute Kinderstube und überschreiten soziale Grenzen, welche sie ansonsten unangetastet wissen möchten.

Top 3 Raucherkommentare:

  1. „Boah, du stinkst wie ein Aschenbecher!“
  2. „Na, jetzt erstmal ’nen Sargnagel, ja?“
  3. „Hör endlich mit dem Rauchen auf, dann bekommst du auch wieder besser Luft!“

Gelebte Sozialkompetenz in Reinform. Weiter gehts.

Top 3 Übergewichtskommentare:

  1. „Im wievielten Monat bist du denn, hö hö hö?“
  2. „Hast du ’nen Medizinball verschluckt oder was ist passiert?“
  3. „Wir gehen nächste Woche joggen, gerade du solltest da unbedingt mitkommen!“

Wir wollen diese Worte einen Augenblick lang auf uns wirken lassen, schlucken das Fasterbrochene wieder runter und atmen einmal tief durch.

Bevor ich anfange zu schreien, und ich werde definitiv in diesem Text noch schreien, möchte ich eine grundsätzliche Sache klarstellen:
Es ist ein Unterschied, ob ICH Witze über MICH mache oder ob ANDERE dies tun. Ich arbeite am liebsten mit Profis zusammen und bevorzuge hochwertige Spitzenscherze über kettenrauchende Fettsäcke. So kann ich beispielsweise die lahmen Standardwitzchen mancher Arbeitskollegen/-kolleginnen nur mit viel gutem Willen und noch mehr Tabletten ertragen. Selbst meine Mutter hat mich schon vor 30 Jahren besser beleidigt, also gebt euch bitte mehr Mühe oder lasst es einfach sein.

Nun gut, kommen wir zum wütenden Teil.

Zehn Dinge, die ich manchen Leuten sagen sollte, wenn ich nicht so verdammt gut erzogen wäre:

  1. Sie sollten vielleicht etwas mehr Schminke auftragen, ich kann nämlich IHRE HÄSSLICHE FRESSE IMMER NOCH ERKENNEN!
  2. Altobelli, Sie müssen ja derbe stinken, wenn Sie JEDEN MORGEN ZWEI LITER PARFÜM AUFTRAGEN! Wie wärs denn mal mit WASCHEN!?
  3. Natürlich können Sie sich eine freche, igelige Gelfrisur machen, nichtsdestotrotz kann ich zwischen den drei verbliebenen Haaren deutlich Ihre Kopfhaut erkennen.
  4. Mir ist klar, dass Sie mit Ihrem Alter nicht klarkommen und sich deshalb die Haare färben, aber halten Sie dieses grelle Rot WIRKLICH für eine gute Idee!?
  5. Hier, bitte setzen Sie doch mal ganz unverbindlich diese Maske auf … ES IST DRINGEND NÖTIG!
  6. Langweilen Sie sich genauso wie mich?
  7. In Ihrem Alter sollten Sie womöglich NICHT die Kleidung Ihrer 17-jährigen Enkelin tragen!
  8. Oh, Ihr neuer SUV passt direkt auf zwei Parkplätze … SIND SIE EIGENTLICH NUR NOCH BESCHEUERT!?
  9. Haben Sie sich eine verdammte Lederhandtasche implantieren lassen oder ist DAS tatsächlich Ihre Haut?
  10. GEH KACKEN, DU ARSCH!

Der Text in vorgelesener Form auf YouTube:

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Eine Antwort zu “Schräg von der Seite

  1. Pingback: OpenFlair 2017: Schritt 1 | BOB·

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