Außer der Reihe

Man hat ab einem bestimmten Bekanntheitsgrad kein Privatleben mehr. Ständig steht man in der Öffentlichkeit unter strenger Beobachtung und kann noch nicht mal mehr in Ruhe beim Einkaufen im Lidl in das Regal mit dem frischen Gemüse kacken.
Das Leben als bedeutender Künstler ist hart und allzu oft bis oben hin mit Scheiße angefüllt.

Ich bin ein Star zum Anfassen und Angefasst werden, ein Mann des Volkes, das offene Ohr für jeden Fan und jede Fanin.*

Aus dem Volk,
für dem Volk,
wegen dem Volk.

Doch nun genug davon und zum eigentlichen Thema.

Immer wieder** werde ichgefragt, wo ich denn meine grandiosen, nahezu genialen Ideen*** hernehme.

Puh, eine knifflige Frage, auf die schon begabtere Leute als ich keine wirklich gute Antwort wussten.
Der von mir sehr verehrte Douglas Adams schrieb hierzu tolle Sachen und Walter Moers widmete dem Thema mehr oder weniger direkt ein ganzes Buch. Eine befriedigende Antwort gibt es auf diese Frage allerdings nicht.

Ich beschäftige zum Beispiel ein dreiköpfiges Autorenteam. Es ist schon schwierig genug einen schwer mutierten Schreiberling mit drei Köpfen zu finden, aber wenn dieser dann auch noch einigermaßen gute und im Idealfall wenigstens halbwegs amüsante Texte schreiben soll, wird die ganze Angelegenheit ziemlich haarig. Zumal es sich bei meinem Mutanten zu allem Überfluss um einen Affen handelt.
Ein überdurchschnittlich begabter Affe, aber ein Affe.****

Oftmals reicht mein Autorenteam nicht aus. An solchen Tagen hockt die kreative Kreatur elendig zitternd in der Ecke. Vollkommen ausgesaugt, die letzte spärliche Idee für einen halbgaren Beitrag über Wanderhoden in den Ardennen verschwendet, sabbert sie leise wimmernd vor sich hin. Wen wunderts, der Affe wird immerhin nur unzureichend bezahlt und hat mittlerweile ein nicht unerhebliches Alkoholproblem.
In diesem Fall importiere ich nachgemachte Pointen aus Asien.*****

Gelegentlich, wenn alle Stricke reißen, treffe ich eine folgenschwere, und für alle Beteiligten unangenehme, Entscheidung mit Konsequenzen, die weit über Begriffe wie „unangenehm“ oder „gesundheitsschädigend“ hinausgehen. Allein der bloße Gedanke daran lässt mir das Blut in den Adern gefrieren und faustgroße Herpesbläschen auf der Oberlippe erscheinen.
Es ist wirklich widerlich, echt entwürdigend und wider die Natur:

Manchmal schreibe ich meine Texte selbst.
Ekelhaft.

Zu guter Letzt muss ich noch zwingend erwähnen, dass ich tatsächlich gefragt wurde, wer denn Frau BOB in Wirklichkeit sei oder ob ich die bisherigen Fragen beantwortet hätte?

Das Leben als bedeutender Künstler ist hart und allzu oft bis oben hin mit Scheiße angefüllt.

_____________
*: Das war selbstverständlich ein Witz. Natürlich möchte ich weder von euch angesprochen noch berührt werden. Wer dennoch mal wieder so richtig angefasst werden will, der möge zu einem Mitglied einer üblen Motorradgang die folgende Zauberformel sprechen: „Na du scheiß Schwuchtel, hast du denn heute schon deine eigene Mutter gefickt!?

**: Leichte Übertreibung, aber irgendwann wurde ich das bestimmt mal gefragt.

***: Zumindest hatte ich die Frage so verstanden. Unter Umständen wollte mein Gegenüber aber nur wissen wie ich „auf diesen Dreck komme“.

****: Fasst irgendwie auch meine Lebensgeschichte in sieben einfachen Worten zusammen.

*****: Ich bin darauf in keiner Weise stolz. Weder auf die Unterstützung der internationalen Pointenpiraterie noch auf dieses äußerst fiese Vorurteil gegenüber Asiaten.

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