Am Gipfel der Fahnenstange

Endlich ist es soweit: Ich habe den Zenit meines Erfolges im Internet erreicht und überschritten.

Einen erfolgreicheren Blogeintrag werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr schreiben. Ich arbeite bereits auf Hochtouren an der dazu passenden Anekdote, damit ich sie fortan immer und immer wieder erzählen kann. Meine Tochter wird mich in nicht allzu ferner Zukunft für das beständige Wiederkäuen dieser spannenden Tage zu Beginn des Jahres 2017 hassen und auch mein Freundes- und Bekanntenkreis täte gut daran den Kontakt zu mir zeitnah vorsorglich abzubrechen.
Ich war berühmt. Damals.

Was ist passiert?

Der geschmackssichere Fabian aus Schwelmrockcity [sic!] teilte am 24.01.2017 freundlicherweise meinen Beitrag BEAMTE DER MUSIK vom 07.08.2016, in welchem es um die Schlechtigkeit von Coverbands geht, in einer Musikergruppe auf Facebook. Ein Ralf lachte sich schlapp und legte meinen Artikel, und vor allem die ursprünglich verwendeten Bilder, seinem Freund Steffen ans Herz.

Mein Text landete noch am selben Abend im Forum der Seite aussensaiter.de und wurde an diesem Dienstag ganze 307-mal aufgerufen. Eine, für meine Verhältnisse, beachtliche Anzahl.

martin (24.01.2017, 18:51 Uhr)


Hallo liebe Gemeinde,

über diesen Text bin ich gerade gestolpert. Bei Punkt „1. Die klassische Coverband“ fühlte ich mich übelst erwischt 🙂 […]

Martin scheint über sich selbst lachen zu können. Eine Charaktereigenschaft, welche ich überaus wichtig finde und mir grundsympathisch ist. Viele (Cover-) Musiker sollten mehr wie Martin sein.

Sind sie aber nicht.

Um 20:09 Uhr bekam ich einen Anruf aus Bayern. Genauer gesagt: Aus Mittelfranken. Noch genauer: Aus Oberscheinfeld; was ich wiederum ziemlich ulkig finde, da es in meinem Beitrag ja um Cover-, also Pseudomusiker, ging und der Name obendrein wie eine Verballhornung von Seinfeld klingt. Ein Mann, nennen wir ihn der Einfachheit halber Fritz, war am anderen Ende der Leitung. Er fragte mich, wieso ich in meinem Beitrag ein Foto seiner Band benutzt hätte.

Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass BEAMTE DER MUSIK in seiner ursprünglichen Version möglicherweise das ein oder andere Foto mir unbekannter Cover- und Partybands enthielt. Ich war seinerzeit jung und unbedarft, fand die zufällig ausgewählten Bilder ungemein witzig und hätte nie im Leben damit gerechnet, dass es mein unbedeutender Blogeintrag selbst bis in die bayerische Provinz schafft.

Ich sicherte Fritz selbstverständlich die sofortige Entfernung des Fotos zu. Er schien dies jedoch inhaltlich und/oder sprachlich nicht verstanden zu haben, was ich ihm aufgrund seiner mittelfränkischen Herkunft nachsehe, und gab mir unmissverständlich zu verstehen, dass er andernfalls andere (rechtliche?) Schritte einleiten würde. Dabei wirkte er weder sonderlich fesch, frech noch fetzig.

Warum!?

Ich zeigte mich sofort einsichtig. Aus welchem Grund musste er noch diese völlig unnötige Androhung loswerden? Weil er sich speziell diesen Satz bereits im Vorfeld zurechtgelegt hatte? Las er vom Blatt ab!?

Letzten Endes entfernte ich alle ursprünglichen Fotos, ersetzte sie durch weitaus schlechtere und stellte dem Beitrag einen Hinweis voran.

Hinweis:
Dieser Beitrag enthielt bis zur Abänderung am 25. Januar 2017 ein paar sehr ulkige Bandfotos von x-beliebigen Cover- und Partybands. Diese wurden jedoch entfernt, nachdem mich ein sehr mürrischer Bayer am späten Dienstagabend anrief und mir mit rechtlichen Schritten drohte. Bayern, Cover- und Partybands verstehen offensichtlich keinen Spaß.
Ich finde diesen Umstand sehr bedauerlich, denn die Fotos waren echt gut. Sie wurden durch ein buntes Potpourri der schönsten Abbildungen meiner Person ersetzt, was mir irgendwie fast doppelt leid tut.

Es war mittlerweile die Nacht vom 25. auf den 26.01. und mein Artikel fand in der Zwischenzeit seinen Weg ins Forum der Seite digitalguitar.de, wo er einigermaßen aktiv diskutiert wurde.
Ich gebe hier nur ausgewählte und inhaltlich gekürzte Kommentare wieder.

michl_666 (26.01.2017, 00:20 Uhr)


Also ich hab mir den Erguss nicht bis zum Schluss durchgelesen. Weil’s mich geärgert hat. […]
Ich muss zugeben, dass ich in einer Coverband spiele und deshalb befangen bin. […] Wahrscheinlich hat der Typ noch nie ne richtig gute Coverband gehört …

Das ist richtig. Ich habe allerdings auch noch nie ein Glas trockenes Wasser getrunken oder bin durch eine gerade Kurve gefahren.

 

nwngnm (26.01.2017, 00:31 Uhr)


Hm, mir ging’s ähnlich.
Ich dachte zuerst : lieber auf ‚m Stadtfest Smoke on The Water als auf’m Scheisshaus Ukulele spielen.

Und ja, ich war auch lange Jahre mit Coverbands unterwegs.
Auf der anderen Seite denke ich, daß das eine oder andere Argument oder die eine oder andere Beobachtung schon ihre Berechtigung hat.
z.Bsp dachte ich auch schon des öfteren, warum muss die Tipse des örtlichen Autohauses (willkürliches Beispiel) sich jetzt auch noch in eine viel zu enge Lederhose zwängen und in einer CoverBand singen (Bei völliger Talentfreiheit). Das gibt’s leider doch viel zu oft.

Das ist keine Ukulele, sondern eine Gitarre für Kinder.
Den Gedanken mit der singenden Schreibkraft des örtlichen Autohauses finde ich ziemlich witzig.

 

aalrh (26.01.2017, 07:37 Uhr)


Zitat: „Qualität braucht kreative Köpfe“ (Zitatende); Ergänzung: … und das auch beim Schreiben!! […]
„BoB“ ´s Text hingegen benötigt noch sehr viele kreative Köpfe. … ob ich das noch erleben darf?

Zum Verständnis: Das Zitat wurde der Website des Unternehmens entnommen, für welches ich derzeit in der Marketingabteilung arbeite. Diesen Grad des Stalkings finde ich durchaus bemerkenswert und ziehe meinen imaginären Hut vor aalrh.
Kurioserweise werde ich in diesem Forum durchgängig „BoB“ oder sogar Herr „BoB“ genannt, was ich nicht ganz verstehe. Warum nicht einfach nur BOB oder Sackgesicht; ganz ohne Anführungszeichen?

 

nwngnm (26.01.2017, 09:25 Uhr)


[…] ich finde z.Bsp. auch technisch gute Bands furchtbar, die dann, um es mal auf die Spitze zu treiben, auf der einen Seite ne Neil Young Nummer und im nächsten Moment ne Helene Fischer Nummer spielen.
Ich glaub, es ist auch diese Dienstleistungsmentalität gegen die sich „BoB“ wendet. […]
Er umschreibt das mit fehlender Leidenschaft. Ich glaube auch, daß man für Selbstgeschriebenes mehr brennt und man das auch merkt.
Nur : bringen tut dir das trotzdem nix. Wenn du spielen willst und dafür auch noch bezahlt werden willst, musst du covern.

Gut erkannt.

 

digitalguitar (26.01.2017, 11:02 Uhr)


[…] Zusammengefasst auf den Artikel bezogen also: 6, setzen, Thema verfehlt. Auch wenn ich ihn unterhaltend fand. […] Verstehen tue ich den blog wohl und kann nachvollziehen, was er meint. Aber es ist schon ein unverschämtes und hartes Urteil – von jemandem, der mit Ukulele auf dem Klo sitzt…

Es ist keine Ukulele, wirklich nicht!
Außerdem ist es gerade die Fähigkeit mit einer pinken Kindergitarre auf einer Toilette sitzen zu können, welche mich explizit zu unverschämten und harten Urteilen jeglicher Art befähigt.

 

Andy (26.01.2017, 14:55 Uhr)


Ich hab mir die ersten drei Sätze durchgelesen und dann gestoppt. Mir war die Zeit zu schade.

Andy ist Keyboarder, möchte ich wetten.

 

funkstation777 (26.01.2017, 19:35 Uhr)


[…] Wer ist dieser Bob eigentlich? Ich schätze mal, irgendwo ist der mal grandios gescheitert und macht jetzt andere dafür verantwortlich, wie mir scheint. […]

Eine gute und durchaus berechtigte Frage. Darüberhinaus würde ich meine Geburt als grandiosestes Scheitern benennen.

Ich geh viral – kommste mit!?

Schließlich wurde mein Text noch im Merkwürdige-Sachen-aus-dem-Netz-und-Alltag-Thread der Seite gitarrenbu.de geteilt. Ich musste mich tatsächlich extra im Forum anmelden, um lesen zu können, was dort geschrieben wurde und erinnerte mich an die Zeit, als ich mich (etwas umständlich) in einem russischen Forum in kyrillischer Schrift angemeldet hatte, um mir das Album BIT BRIGADE: MEGABAND zu besorgen.
Die Nutzer der gitarrenbu.de scheinen auf jeden Fall ’ne ganze Ecke entspannter als ihre Kollegen von digitalguitar.de zu sein.

kiroy (27.01.2017, 18:01 Uhr)


*LOL*
Ich hab’s geahnt! Wir sind die Geisel der Menschheit!!!
*ROFL*

 

Magman (27.01.2017, 18:45 Uhr)


H E R R L I C H
*LOL*
ich hab mir in die Hose gepinkelt vor lachen
*MUAHAHA*

 

SilviaGold (27.01.2017, 23:31 Uhr)


Wenn der das nicht mal ernst meint ……….
*MUAHAHA*

 

telly45 (28.01.2017, 20:22 Uhr)


[…] Ich habe mich auch göttlich amüsiert ob dieser stark überzeichneten Darstellung.

Inhaltlich bin ich komplett anderer Ansicht, aber die Darstellung und Wortwahl wie Vergleiche belustigen mich schon sehr
*THUMBSUP*

 

Über 1000 Leser können sich irren.

In der Zeit vom 24. bis 27.01.2017 hatte der Artikel BEAMTE DER MUSIK überwältigende 1412 Seitenaufrufe!
Altobelli, abgekrasst …

Das waren also meine vier Tage als Betreiber eines gefragten Blogs. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und beende diesen dokumentarischen Beitrag mit einem Foto von mir auf dem Klo mit einer pinken Kindergitarre.

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3 Antworten zu “Am Gipfel der Fahnenstange

  1. Pingback: Qute Idee | BOB·

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