Leserbrief #5

Name:
Lady Godiva

Alter:
sehr alt

Wohnort:
in einem Haus

Geschlecht:
weder noch

Sehr geehrte Frau Bob oder darf ich es wagen, Sie als liebe Frau Bob vertraulich anzusprechen?

Wie dem aus sei, möchte ich diese Gelegenheit ergreifen, um meine inneren Dämonen zu offenbaren:

Liebe Frau Bob (ja, ich habe es gewagt), ich wurde, hier bitte ich Sie dringlichst, mich nicht zu verurteilen, nackt geboren!
Ja, Ihre Augen trügen Sie nicht; Sie haben ganz richtig gelesen: NACKT!
Ohne Bekleidung, ja noch nicht einmal einen Ledenschurz hatte ich um!
Man kann durchaus sagen, ich war nackt wie ein Nacktmull. Meine Mutter bestreitet aber bis heute mit heftiger Vehemenz eine optische Ähnlich zu besagtem Heterocephalus!

Nun ja, wie verstörend mein Geständnis auf Sie auch gewirkt haben mag, so ist es leider noch viel gravierender!
Es scheint, als habe sich dieser Hang zur freien Körperkultur in mir dergestalt festgesetzt, dass ich dieser täglich fröne!
Ja, ich gestehe hier, in diesem intimen Rahmen der Vertraulichkeit des Internetzes: ich entkleide mich zum Duschen!
Es ist wahr!
Ich dusche gerne nackt!
Ich habe es ja versucht, es zu lassen! Und wie ich es versucht habe!
Doch gegen diese abartige Neigung komme ich einfach nicht an.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter.
Ich habe keinerlei Beziehungen zu anderen Menschen aus Angst, diese könnten eines Tages hinter mein wohl gehütetes Geheimnis kommen!

Frau Bob, bitte, raten Sie mir, helfen Sie mir! Stehen Sie mir bei! Was ist zu tun, wie ist aus dieser verfahrenen Situation heraus zu finden!
Sagen Sie mir, wie macht man seinen Balkon winterfest?!

In verzweifelter Hoffnung Ihrer Antwort harrend

Lady Godiva


Frau BOBs Antwort:

Hallo liebe Lady Godiva,

als überaus professionelle Leserbriefbeantworterin und Beraterin in allen Lebenslagen ist Intimität ein essentieller Bestandteil meiner Tätigkeit. Je mehr Vertrauen mir entgegengebracht wird, desto eher endet meine Bewährungsauflage.

Im Bezug auf das heikle Thema „Nacktgeburt“ kann ich Sie beruhigen, da Sie diesbezüglich selbstverständlich keine Schuld trifft. Heutzutage hat man diese fiese Laune der Natur dank fortgeschrittener Gentechnik und Chemtrails glücklicherweise gut im Griff; im letzten Jahrhundert bzw. Jahrtausend sah die Sache allerdings noch ganz anders aus.

Vor 30 Jahren waren Nacktgeburten (fachsprachlich: partus nudis) an der Tagesordnung. Vollkommen gesunde Mütter brachten nahezu komplett unbehaarte Babys zur Welt und die Gesellschaft sah einfach weg. Junge Väter verließen völlig zu Recht ihre Frauen und Kinder, Kinderheime quollen förmlich über und der allgemeine Konsum alkoholischer Getränke vervielfachte sich.

Eltern, welche im 21. Jahrhundert ein haarloses, nacktes Baby zur Welt bringen, sind selbst Schuld, eine Belastung für die Gesellschaft und sollten endlich die Finger von veganer Ernährung, illegalen Drogen und lauter Rockmusik lassen. Dies ist kein Kavaliersdelikt! Vielmehr handelt es sich hierbei um eine fast schon kriminelle Verantwortungslosigkeit, welche seitens des Staates und mit aller zur Verfügung stehender Macht gemaßregelt werden sollte!

Doch nun zu Ihnen: Obschon Sie nichts für den widerwärtigen Akt Ihrer eigenen Geburt können, liebe Lady Godiva, so lassen Sie sich unmissverständlich gesagt sein, dass Sie, und nur Sie, allein die volle Verantwortung für Ihr gegenwärtiges und zukünftiges Handeln tragen! Ich bin mir unsicher, ob Sie sich durch die Wahl Ihres Pseudonyms (Wikipedia: Lady Godiva) nicht doch eher als Befürworterin der Nacktheit offenbaren und somit Ihr Gesuch ad absurdum führen. Falls dies der Fall ist, so SOLLTEN SIE SICH DAFÜR SCHÄMEN!

Es hat mich viel Zeit, Kraft und Überwindung gekostet, Ihren Brief zu beantworten, denn derart Widerwärtiges wird selbst mir, einem Profi mit nunmehr über 30 Jahren Berufserfahrung, nur äußerst selten aufgetischt. Ja, ich ekel mich regelrecht vor Ihnen, sehr geehrte Lady Godiva, und halte Sie zudem für eine ziemliche Pottsau!
Beherrschen Sie Ihre abartigen Triebe! Besitzen Sie denn keinerlei Impulskontrolle!?

Puh, bitte lassen Sie mich einen Augenblick lang tief durchatmen und zurück zur professionellen Vernunft kommen (DRECKSAU!).

*atmet tief durch*

Ja, ich gebe es zu: Selbst ich bin gelegentlich nackt, allerdings stets UNTER MEINER KLEIDUNG und nur dann, wenn es sich WIRKLICH NICHT VERMEIDEN LÄSST!
Zu meinem Glück bin ich eine alternde Dame, sodass der Großteil meines Körpers mittlerweile dankenswerterweise von natürlicher Behaarung gesegnet ist. So sind zum Beispiel die Tage meiner nackten Oberlippe, für die ich mich stets schämte, endgültig vorbei, wofür ich sehr dankbar bin.

Sie müssen sich nur an fünf einfache Regeln, zusammengestellt von führenden Wissenschaftlern auf dem Fachgebiet „Pathologische Perversionen“, halten, wenn Sie Ihre niederen Gelüste nachhaltig in den Griff bekommen möchten:

  1. REISSEN!
  2. SIE!
  3. SICH!
  4. GEFÄLLIGST!
  5. ZUSAMMEN!

Selbst trainierte Schimpansen können Kleidung tragen.
Das schaffen SIE auch!

Mit freundlichen Grüßen
Frau BOB

Postskrotum:
Ich habe auch für Ihre letzte Frage eine Antwort bzw. direkt zwei Internetverlinkungen parat.

  1. HIER KLICKEN: Balkone winterfest machen
  2. HIER KLICKEN: Balkonistan – Das schönste Land der Welt
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2 Antworten zu “Leserbrief #5

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