„Sie haben uns gerade noch gefehlt!“

Ich bin jetzt noch nicht allzu lange gelernter Industriekaufmann und arbeite auch erst seit viereinhalb Wochen für meinen derzeitigen Arbeitgeber, aber diese Stellenausschreibung hat mir eine erneute berufliche Neuorientierung samt Wechsel des Wohnortes schmackhaft gemacht.

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Der Inhalt in geschriebener Form:

Berlin – Brötchenbeleger/in

Back-Factory ist ein expandierendes Unternehmen mit rund 100 Filialen bundesweit. Laut der Wirtschaftsfachzeitschrift „food-service“ zählen wir zu den Top 20 Gastronomie-Unternehmen in Deutschland im Bereich Quickservice.  Als Snack-Profi stehen wir für Vielfalt, Frische und Qualität sowie ein trendiges Lifestyle-Ambiente und suchen für unsere Filiale in Berlin auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung eine(n) Brötchenbeleger/in

Ihr Aufgabengebiet:

  • Sie sind verantwortlich für die Zubereitung von belegten Brötchen & Snacks
  • Sie sorgen für eine durchgehende Warenverfügbarkeit und stets ansprechende Warenpräsentation
  • Sie veredeln unsere Produkte unter Einhaltung festgelegter Qualitätsstandards
  • Sie kontrollieren und stellen die ständige Ordnung und Sauberkeit in der Vorbereitung sicher

Unser Angebot:

  • Leistungsgerechtes Gehalt
  • Die Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln
  • Umfangreiche Einarbeitung durch ein kompetentes, dynamisches Team
  • Werden Sie Teil der innovativen Backgastronomie bei einem der Marktführer im Bereich Bäckerei/Systemgastronomie

Ihr Profil:

  • ein strukturierter, zupackender und hygienischer Arbeitsstil
  • Freude an der Zubereitung von Produkten
  • zeitliche Flexibilität für Früh- und Spätschicht, ggf. auch an Sonn- und Feiertagen

[…]

Möchte ich mich an dieser Stelle über Berliner Brötchenbeleger und Brötchenbelegerinnen lustig machen?
Nein, auf gar keinen Fall. Dabei kann ich nicht verhehlen, dass mich allein die Berufsbezeichnung gar köstlich amüsiert, aber von irgendwoher muss das Geld ja kommen. Außerdem ist es meines Erachtens ein definitiv ehrenwerterer und seriöserer Beruf als z. B. Versicherungsvertreter oder Immobilienmakler. Vielleicht gibt es ja sogar Leute, denen der Job des Brötchenbelegers Spaß macht. Geht schon klar.

Es sind vielmehr leere Worthülsen wie „trendiges Lifestyle-Ambiente“, welche mir die Kotze in die Augen treiben. Dieses beknackte Geschwafel vom expandierenden Unternehmen, von Produktveredelung, leistungsgerechter Entlohnung auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung, dem dynamischen Team und innovativer Backgastronomie.
Produkte veredeln und Brötchen belegen sind in meiner Welt zwei sehr unterschiedliche Dinge, wirklich. Inwiefern kann und wird man sich wohl bei diesem Job persönlich weiterentwickeln?
Zum krönenden Abschluss gibt es selbstverständlich meinen persönlichen Lieblingsklassiker, die „zeitliche Flexibilität für Früh- und Spätschicht, ggf. auch an Sonn- und Feiertagen“. Wobei „gegebenenfalls“ mit hoher Wahrscheinlichkeit ein angewandter Euphemismus für „definitiv“ und „oft“ ist.

Kotstulle oder Rieseneinlauf?

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Eine Antwort zu “„Sie haben uns gerade noch gefehlt!“

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