Das geheimnisvolle Geheimnis der umgedrehten Nachspeisenbecher

[Triggerwarnung: Thematisierung von milchhaltigen Nachspeisen und möglicherweise einem oder mehreren Buhmännern!]

Es tragen sich gar mysteriöse Dinge in unserer Wohnung zu.
Meine kommentarlos im Wäschekorb hinterlegten getragenen Socken machen keine Anstalten einfach so wieder frisch und wohlduftend in meinem Kleiderschrank aufzutauchen, das Wasser, dass ich abends trinken möchte, schmeckt auf geheimnisvolle Weise oftmals nach koffeinhaltiger Limonade und meine Frau findet meine zahlreichen, stets überaus geistreichen und amüsanten, Äußerungen nur selten so erheiternd wie ich. Dabei nennt man mich doch allenthalben den unumstrittenen Meister des köstlichen Bonmots. Ich bin ratlos und habe keinerlei Erklärung für diese Vorkommnisse. Möglicherweise treibt hier ein Poltergeist sein Unwesen.

Der aktuelle Vorfall betrifft unseren Kühlschrank. Diesen nutzen wir, um temperaturempfindliche Lebensmittel durch Kühlung vor einer vorzeitigen Ungenießbarkeit zu schützen. Es befinden sich zur Zeit u. a. zwei Becher mit Nachspeisen auf Milchbasis in der Geschmacksrichtung „Himbeere“ in ihm.

Vor zwei Tagen war ich einen zufälligen und unbedarften Blick in unseren Kühlschrank. Ich wollte nur mal kurz vorbeischauen und nach dem Rechten sehen. Als ich jedoch im Begriff war die Tür zu schließen und wieder meiner Wege zu gehen, fiel mir etwas Ungewöhnliches am linken Nachspeisebecher auf. Der Deckel, welcher zuvor den Becher ganz hervorragend verschloss und den milchhaltigen Inhalt zumindest für den Augenblick vor sauerstoffbedingtem Verrosten bewahrte, lag unerklärlicherweise neben dem Becher, statt seiner ihm zugedachten Aufgabe nachzugehen. Der Becher selbst befand sich wiederum mit der zur Nachspeisenentnahme konzipierten Öffnung nach unten gerichtet einige Zentimeter daneben. Den allgemeinen Gesetzen der Physik folgend ruhte der zu großen Teilen nach Himbeer schmeckende Inhalt nunmehr auf dem gläsernen Einlegeboden unseres Kühlschrankes. Die Begriffe „Förmchen“ und „Sandburg“ gingen mir bei diesem Anblick spontan durch den Kopf.

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Ein Moment der Gänsehaut.

Nun bin ich beileibe kein Freund des blinden Aktionismus und setzte somit die notwendige Beseitigung bzw. Entsorgung des umgedrehten Nachspeisebehälters mit auf meine nicht gerade kurze Liste der dringend zu erledigenden Dinge (und zwar direkt unter den Punkt „Wo und mit wem werde ich das neue Millennium feiern?“).

Der Tag verging und der darauffolgende folgte ihm.

Just heute Morgen wollte ich wie gewohnt unserem Kühlschrank eine Tüte Milch zur Veredlung meines morgendlichen Kaffees entnehmen, da erblickten meine noch müden Augen eine Szenerie des Schreckens, welche mir das Blut in den Adern gefrieren und mein ohnehin zuweilen arg gebeuteltes Gehirn eine Rolle rückwärts vollführen ließ. Erneute Gedanken an einen eventuellen Poltergeist kamen auf.
Der zuvor bereits minutiös beschriebene Vorgang hatte sich ebenso beim anderen Nachspeisebecher wiederholt und somit starrte ich fassungslos auf nunmehr zwei geöffnete und umgedrehte Gefäße, welche mich für einen kurzen Augenblick zu verhöhnen schienen.

Sowohl meine Frau als auch unsere Tochter streiten eine aktive Beteiligung ihrerseits an den vergangenen Geschehnissen vehement ab, was sie in meinen Augen allerdings umso verdächtiger erscheinen lässt. Darüberhinaus wurde mir von der Dame des Hauses als gelegentlich praktizierendem Schlafwandler, welcher noch vor Kurzem zwei Scheiben rohen Schinken des nächtens auf die Küchenarbeitsplatte legte, eine nächtliche Selbstverschuldung mit fehlender Erinnerung daran nahegelegt. Na das hat sich die Gute ja wirklich fein zurechtgelegt …

Wie dem auch sei, jedenfalls wurde der Tatort meinerseits bis zum Eintreffen der benachrichtigten Kriminalpolizei großräumig abgesperrt, um ein potentielles Verwischen hinweisgebender Spuren zu verhindern. Als zugegebenermaßen eher negative Konsequenz ergibt sich daraus, dass vorerst niemand von uns die Wohnung betreten darf und wir drei übergangsweise im Hausflur nächtigen müssen.
In zweiter und letzter Instanz habe ich, für den Fall ergebnisloser Spurensuche seitens der Kriminalbeamten, bereits Kontakt zu einem sehr seriös wirkenden Geisterjäger/-beschwörer/Exorzisten/Rechtsanwalt aufgenommen.

Ich habe Angst.

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2 Antworten zu “Das geheimnisvolle Geheimnis der umgedrehten Nachspeisenbecher

    • Zunächst einmal danke ich dir für deine Rückmeldung, welche mich wirklich erfreut hat.

      Darüberhinaus wirst du sicherlich verstehen, dass in dieser Angelegenheit selbstverständlich vorerst absolute Schweigepflicht besteht, bis die ersten Laborergebnisse eingetroffen sind.

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